Dienstag, 28. November 2006



Was haben November, Schnurrbärte und Spenden gemeinsam? Diese Frage ist für die meisten Neuseeländer völlig klar: Movember. Um das zu kapieren bedurfte es meines Freundes Arjun, der eines Morgens in mein Büro spazierte, den Ansatz eines Schnurrbarts über der Oberlippe. Er fragte mich, ob ich seine Gesichtsbehaarung mit einer kleinen Spende unterstützen wolle. An die Gesellschaft für Prostatavorsorge sollte das Geld gehen. Ich schaute ziemlich verdutz und vermutete den Grund für mein Unverständis in einem sprachlichen Problem. Er aber blieb dabei: Kohle für Bart.
Und so wurde ich mit der Tradition der Neuseeländer vertraut, im November sich für Geld einen Bart wachsen zu lassen und dieses für wohltätige Zwecke zu spenden. An sich eine gute Idee, und dass diese einen Slogan braucht liegt auf der Hand, aber der Zusammenhang Movember= moustache + november ist doch irgendwie an den Haaren herbeigezogen, oder?
Nicht nur Hippies, Weltverbesserer und Opas unterstüzten die Aktion, sondern v.a. auch Geschäftsleute lassen sich im November den Bart stehen. Ganze Abteilungen der Nationalbank wetteifern um dessen Länge und Dichte, gesponsort von ihrem Arbeitgeber. Wie stark Movember im Selbstverständis der Neuseeländer verankert ist, zeigte die Reaktion von meinem Kumpel Steven, der ehrlich überrascht war, dass wir dergleichen in Deutschland nicht kennen.
Da Movember nun schon von den Neuseeländern erfunden wurde und niemand gerne als Nachmacher dasteht, habe ich mir etwas anderes für die Deutschen einfallen lassen. Was haltet ihr z.B. von dem Vorschlag, sich die Brille seiner Oma auszuleihen und damit auf Spendenjagd zu gehen...

Dienstag, 14. November 2006

Gleich in meiner ersten Woche in Wellington entschieden wir uns, eine kleine Mission zu erledigen, die uns Frieders Oma aufgetragen hatte: Es galt eine alte Dame, Doreen Blumhardt, ausfindig zu machen, mit der Frieder laut seiner Oma entfernt verwandt sein soll. Um die These zu untermauern, hatte die Oma ihm ein Buch mit alten Familienfotos und Texten zur Familiengeschichte mitgegeben. Das Problem war dabei nur, dass Frieder niemanden von den Leuten auf den Fotos kannte und auch die Namen, die darunter standen, noch nie gehört hatte. Aber Verwandschaft ist nun mal Verwandstschaft und so stolperten wir nach einem Blick ins Telefonbuch und einem windigen Spaziergang einigermaßen ahnungslos in Doreen Blumhadts luxuriös eingerichtetes Wohnzimmer in Wellington. Die 92-jährige Dame freute sich offensichtlich über die neuen Verwandten, hatte aber wie Frieder keinen blassen Schimmer, wer die Leute im Familienalbum sein könnten. Und auch wer wir eigentlich sind und wie unsere Verwandtschaft zustande kommt, konnten wir im Laufe des Besuchs nicht klären.
Da sie einigermaßen verwirrt war, erzählte sie uns drei Mal diesselbe Geschichte, nämlich wie ihr Opa (beim zweiten Mal wars schon der Vater) sich dazu entschieden hatte, das Schwabenland zu verlassen, um nach Neuseeland auszuwandern. Die Entscheidung war alles andere als freiwillig gewesen: Er muss sich irgendwie anstößig verhalten haben, so dass ihm die Familie nahelegte, das Land doch bitte zu verlassen. Trotzig soll er die Landkarte hervorgeholt und Neuseeland zu seinem Ziel erklärt haben - das Land, das am weitesten entfernt lag.
Während Doreen beim Erzählen abwesend wirkte, strahlte sie uns am Ende der Geschichte jedes Mal offenherzig an und sagte: Well well well, that's the story!

Warum ich das erzähle? Na, damit ihr wißt, wie der blog zu seinem Namen gekommen ist und dass wir ihn eingerichtet haben, um euch drei Jahre lang unsere besten Geschichten zu erzählen.