Sonntag, 6. Januar 2008

So anders ist es doch gar nicht - denkt sich so mancher Tourist und Besucher von Neuseeland. Erleichtert stellt man fest, dass die meisten Dinge, obwohl man so weit weg ist von zu Hause, sehr aehnlich funktionieren. Und liebt das Land und die Leute dafuer, dass einem alles ungemein europaeisch vorkommt.
Die feinen Unterschiede fallen einem wahrscheinlich nur auf, wenn man eine Weile hier gelebt hat. Oder wenn man ein guter Beobachter ist und eine Vorliebe fuer Kuriositaeten hat:



"Du musst aufpassen, dass man deine eins nicht mit der sieben verwechselt!" hat mir mal ein Gast in meinen ersten Wochen an der Rezeption in der Jugendherberge gesagt. Zuest verstand ich sein Problem nicht, etwas perplex habe ich meine deutsche eins angeschaut und erst begriffen, als mir ein Kollege seine neuseelaendische sieben zeigte. Seitdem bin ich schon zwei mal von Freunden aufgefordert worden, ihnen eine deutsche sieben zu malen...



Parkplaetze sind grosser Mangel in Wellington. Und hat man erst einen Platz ergattert, darf man das Auto nur fuer zwei Stunden stehen lassen. Zuerst dachten Frieder und ich, in der Stadt mit der intelligentesten Strassenpolizei ueberhaupt gelandet zu sein: Es gibt keine Parkuhren oder Parkscheiben und so nahmen wir an, dass die Streife hier ein brilliantes Gedaechtnis haben muss. Wie sonst sollte man sich merken koennen, wie lange welches Auto schon wo steht. Bis Frieders Kollege David eines Tages das Geheimnis lueftete, als er sich wieder mal nach unten zu seinem geparkten Auto begab "um die Kreide abzuwischen". Tatsaechlich malen in Wellington nicht die Kinder auf fremder Leute Reifen herum, sondern zaehlt die Verkehrtspolizei so die Stunden, die ein Auto an einer Stelle geparkt ist.



Die Leute sind wirklich sehr freundlich hier. Wahrscheinlich ist Wellington die einzige Stadt in der Welt, wo dem Busfahrer ueberschwenglich fuer seine Dienste gedankt wird. Ohne ein "Thank you, driver!" oder "Cheers driver" durch den vollen Bus zu bruellen, steigt niemand aus.



Zum Glueck wusste Frieder schon Bescheid, wie das hier in den Cafes so laeuft. Ich haette mich einfach an einen Tisch gesetzt, fest davon ueberzeugt, dass auch in Wellington bedient wird. Schliesslich hat die Stadt eine ausgepraegte Kaffetrink- Kultur und sehr guten Kaffee zu bieten. Aber in Wellington laeuft das ein wenig anders: Zuerst wird an der Theke bezahlt, danach kann man sich hinsetzen und kriegt seine Sachen serviert.



Auch auf Parties hat man als Deutscher grosse Chancen sich zu blamieren. Wenn man es gewohnt ist, den Gastgeber erst mal danach zu fragen, ob das Bier im Kuehlschrank oder in der Badewanne kuehl gestellt ist, kommt einem die neuseelaendische Sitte natuerlich ein wenig knausrig vor: Jeder bringt auf die Party seine eigenen Getraenke mit und wenn geteilt wird, dann nur nach ausdruecklichen Einladung dazu. Anfangs habe ich ein wenig gehadert mit diesem Konzept der "Gastfreundschaft". Inzwischen denke ich, dass das einer der Gruende ist, warum die Leute hier so viel feiern koennen, weil niemand erwartet, dass es Freibier gibt.